PAR Forschungsvorhaben
im Rahmen der Frauenförderung am FB 15, TUD






Titel des Vorhabens:
                                    Gender-gerechte Siedlungsentwicklung in den ehemaligen Quilombos Brasiliens

Koordination und wiss. Begleitung:
                                   
 Prof. Dr. Kosta Mathéy, Fachgebiet PAR, TUD

Antragssumme      € 20.948,- .

Zeitrahmen:              6 Monate, Beginn April 2005

Inhalt:

Vorgeschlagen wird eine wissenschaftliche Studie über die Einflüsse von der - und Anforderungen an die - Wohn- und Siedlungsentwicklung bei den Frauen unter der der Minderheit der als Quilombolas bekannten Nachkommen ehemaliger afrikanischer Sklaven in Brasilien. Es sollen exemplarisch die Verhältnisse in drei Ansiedlungen untersucht und verglichen werden: (a) eine relativ ‚unberührte’ Siedlung auf dem Lande, in der sich viele traditionelle Praktiken und Gebräuche erhalten haben, und wo sogar Züge matriarchaler Gesellschaftsstrukturen erkennbar sind; (b) eine vom Staat im Rahmen der Agrarreform betriebene Umsiedlung von Quilombolas in ein neues, künstlich angelegtes Dorf (Agrovila); und (c) eine urbane Nachbarschaft von Quilombolas, die es aus dem einen oder anderen Grund in die Stadt verschlagen hat mit einschneidenden Folgen kultureller Transformation.
Die Studie wird nicht nur die erhaltenen traditionellen Praktiken in Bezug auf Wohn- und Siedlungsform mit ihren Vor und Nachteilen für die weiblichen Mitglieder dieser Gemeinden dokumentieren, sondern versuchen, Wege für die Verbesserung der anerkannt miserablen Bedingungen in den drei untersuchten Siedlungsformen aufzuzeigen. Als Arbeithypothese wird angenommen, dass durch Kooperation und Wahrnehmung der komparativen Vorteile in jeder der drei Siedlungstypen Synergieeffekte für die betroffenen Frauen möglich sind nutzbar gemacht werden können. Als weiteres Ergebnis der Studie werden Planungsempfehlungen für Dorfneugründungen und für städtische Nachbarschaften angeboten werden, die für die der Quilombola Minorität angehörigen Frauen erkennbar bessere Lebensumstände ermöglichen.
Das Vorhaben entspricht in mehrfacher und sich gegenseitig verstärkender Weise den Ansprüchen der Frauenförderung: (a) Es wird ein Beitrag geleistet zu einer möglichen Verbesserung der Wohn- und Lebensbedingungen der Frauen unter den Quilombolos; (b) die Disziplin der Architektur und Stadtplanung wird um neue Erkenntnisse einer Gender-gerechten Planung bereichert; (c) den Bearbeiterinnen des Projektes – ehemalige Mitarbeiterinnen in der Lehre und Forschung an PAR-Projekten am Fachbereich Architektur der TUD – wird die Möglichkeit der Weiterqualifikation durch ein eigenes Projekt geboten; (d) die Studierenden am Fachbereich werden durch die Präsentation der Ergebnisse und deren Einbeziehung in die Lehre mit konkreten Situationen und Planungsszenarien konfrontiert und (e) wird neben den bereits erwähnten Personengruppen auch das allgemeine Publikum (z.B. über eine Fernsehsendung) für Fragen der Gender-gerechten Stadt- und Siedlungsentwicklung sensibilisiert.