Konsequenzen von AIDS für die Stadt-

und Siedlungsplanung im südlichen Afrika

 

AIDS - WAISENDÖRFER

 

Erläuterung des Forschungsthemas

Die Verbreitung der AIDS Infektion im südlichen Afrika hat horrende Ausmaße erreicht: 25 Millionen der weltweit 36 Millionen Infizierten leben im südlichen Afrika, weitere 17 Millionen Afrikaner sind schon am Virus gestorben. Da sich die Krankheit nur zu 20% von den werdenden Müttern auf ihre Kinder überträgt, erhöht sich die Zahl der AIDS-Waisen rapide. Im südlichen Afrika beträgt deren Zahl bereits 12 Millionen, und Schätzungen für das Jahr 2010 belaufen sich auf 40 Millionen (Holmes, 2001; IRIN 2001). Im städtischen Kontext, wo im Gegensatz zu ländlichen Gebieten der größere Familienverband nicht mehr präsent ist, ist das Schicksal dieser Waisen mangels anderer Alternativen ihr Überleben als Straßenkinder.

Als konkretes Beispiel sei der Fall der Township Khayelitsha bei Kapstadt erwähnt, die dem Antragsteller aus eigener Projekterfahrung vertraut ist. Unter Berücksichtigung oben genannter Zahlen, die in dieser Siedlung mit ihren rund 500,000 Einwohnern eher am unteren Rand liegen, ergibt sich eine Zahl zwischen 50.000 und 100,000 Aidswaisen in 10 Jahren. Selbst wenn die Aussicht auf ein Überleben als Straßenkinder schon heute bedenklich genug ist, ist eine so hohe Anzahl in einer Stadt wie Kapstadt sozial wie technisch unvorstellbar.

    Wo in Afrika die Existenz des AIDS Syndroms von staatlicher Seite offiziell geleugnet wurde, wundert es nicht, dass mit Blick auf die Zukunft der Aidswaisen noch keine Konzepte entwickelt worden sind – genauso wenig wie in anderen Ländern, die ähnlich betroffen sind. Es ist offensichtlich, dass eine Lösung angesichts des Ausmaßes des sich anbahnenden Problems außerordentlich schwierig sein wird. Fortschritte sind nur denkbar als gemeinsame und integrale Anstrengung aller beteiligter Disziplinen und Institutionen. Neben den nahe liegenden Berufen wie Sozialarbeitern, Pädagogen, Psychologen, der Wirtschaft gehört die Stadtplanung zu dem direkt angesprochenen Kreis.  Ihr obläge die Entwicklung von angemessenen Siedlungskonzepten für eine vorwiegend aus elternlosen Kindern und Jugendlichen zusammengesetzte Bewohnergruppe zu entwickeln und im Sinne des Stadtmanagements die Beteiligung der übrigen Disziplinen zu koordinieren.

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 Ziele der Forschung

Das hier vorgeschlagene Projekt zielt unmittelbar darauf ab, grundlegende Fakten sowohl zu möglichen Lösungsansätzen des Problems wie praktische Wege zur einer tiefer gehenden Forschung und ggf. die Umsetzung eines Pilotprojektes aufzuschließen.

Inhaltlich sollen folgende Fragen mit mittelbarer und unmittelbarer Relevanz beantwortet werden:

 

Strategisch steht folgendes Erkenntnisinteresse im Vordergrund:

 

Output

Die wichtigsten zu erwartenden Ergebnisse des Projektes stellen sich wie folgt dar:

Sensibilisierung für die Thematik in der Fachwelt und bei potentiellen Gebern durch das Kolloquium;

·         Publikation der Arbeitsergebnisse,

·         Genehmigungsfähiger Antrag für weiterführende Drittmittel-Forschung und Identifikation einer förderungswilligen Geberinstitution.

 

Forschungsteam:

Prof. Dr. Kosta Mathéy, hat im Jahre 2002 über 4 Monate hinweg eine Machbarkeitsstudie zum dem geplanten KfW Projekt ‚ Violence Prevention through Urban Renewal’ für die Township Khayelitsha in Kapstadt angefertigt. Gedanken zur künftigen Entwicklung der Siedlung und der Konsequenzen aus der hohen Rate der AIDS-Infektionen waren der Auslöser für den vorliegenden Antrag. Relevant in Bezug auf das Projekt ist nicht nur die gute Ortskenntnis, Vorüberlegungen zu Jugenddörfern um Khayelitsha herum, sondern auch die Vertiefung der Möglichkeiten zur Gewaltprävention, die über die tag-täglichen Vergewaltigungen und Kinderprostitution auch zur Verbreitung der Infektionsrate beitragen.

Prof. Dr.  Prof. Dr. Beate Krais, Fachbereich Soziologie, TU Darmstadt, hat u.a. über Erziehungs- und Bildungssoziologie und über Gender-Beziehungen publiziert (Krais 1994, 97) uns beschäftigt sich gegenwärtig mit neuen Formen der Vergemeinschaftung.

 

Prof. Dr. Manfred Keppeler, Institut für Sozialpädagogik, TU Berlin. Durch seine vielseitige Ausbildung als Bäcker, Sozialarbeiter, Psychotherapeut für Kinder und Jugendliche, Studium der Erziehungswissenschaften ist er mit Geschichte, Theorie und Praxis der Jugendarbeit bestens vertraut und hat umfangreich über die Thematik publiziert. Im Bereich Pädagogik liegt sein Schwerpunkt im Bereich außerschulische Jugendarbeit, Drogenarbeit, Fremdunterbringung von Kindern und Jugendlichen. Er ist Mitbegründer von Mitbegründer von „akzept e.V.“ (Bundesarbeit für akzeptierende Drogenarbeit und humane Drogenpolitik).

 

Prof. Dr. habil. Gundula Barsch, Soziologie & Drogenprävention, FH Merseburg, war Leiterin des Referats‚ Drogen und Menschen in Haft’ bei der deutschen AIDS Hilfe eV bevor sie als Professorin für das Fach Drogen und soziale Arbeit an die FH Merseburg berufen wurde. Sie ist Mitglied in der Nationalen Drogen- und Suchtkommission im Bundesgesundheitsministerium. Als Expertin für Präventionsforschung gegen die Verbreitung von AIDS – der besondere Zusammenhang zu dem vorgelegten Projekt - hat sie umfangreich geforscht und publiziert.

 

Prof. Dr. Karl Pelzer, Psychologie, University of the North, Kapstadt (zuvor Uni Klagenfurt) beschäftigt sich auch schwerpunktmäßig mit der AIDS-Problematik, insbesondere im besonderen Kontext Südafrikas in Hinblick auf kulturelle, religiöse und erzieherische Unterschiede. Er ist Mitglied des südafrikanischen ‚Human Science Research Council’ wo er das Thema Social Aspects of HIV/AIDS and Health vertritt.

 

Prof. Dave Dewar, University of Cape Town, Chair of City and Regional Planning, ist der vermutlich rennommierteste Stadtplaner Südafrikas. Er ist Mitglied der ‘National Development and Planning Commission’ und der ‘Urban Problem Research Unit’. In der Planungspraxis hat er sich unter anderem als zentraler Gutachter der Stadt Kapstadt für den ‚Spatial Development Framework Plan’ und für die nationale Regierung als Consultant für das ‚Green Paper on Planning in South Africa’. Er hat 9 Bücher und über 200 Buch- und Zeitschriftenbeiträge zur Stadtplanung in Südafrika verfasst. Mit Prof. Dewar und PAR an der TUD besteht ein fachbezogenes universitäres Partnerschaftsabkommen.